Fornasetti – Mailands poetische Obsession zwischen Kunst und Objekt.
In einer Stadt, die für Effizienz, Industrie und Mode steht, wirkt Fornasetti wie ein bewusst gesetzter Kontrapunkt. Die Marke verkörpert nicht Zurückhaltung, sondern Fantasie – eine visuelle Sprache, die sich jeder strengen Funktionalität entzieht und gerade dadurch zeitlos bleibt.

Für all jene, denen der Markenname kein Begriff ist: Spätestens beim Erblicken des ikonischen Frauenportraits, das in verschiedensten Formen auf den Produkten abgebildet ist, kommt der „Aha-Effekt“. So ist es auch mir ergangen – oft begegnet, unterschiedlichst interpretiert.
Die Wenigsten kennen den Namen hinter dem ikonischen Portrait, den der Muse Fornasettis: Natalina Cavalieri (1874 – 1944), Starsopranistin des frühen 20. Jahrhunderts. Piero Fornasetti hat sie in der Porzellanserie „Tema e Variazioni“ verewigt.

Gegründet wurde das Atelier von Piero Fornasetti, einem kreativen Grenzgänger, der Kunst nie als isolierte Disziplin verstand. Sein Ansatz war radikal: Alltägliche Gegenstände sollten nicht nur nützlich sein, sondern Geschichten erzählen. Teller, Möbel oder Paravents wurden zu Trägern von Bildern, Symbolen und wiederkehrenden Motiven.
Zentral für Fornasettis Schaffen ist die Idee der Variation. Ein einmal entwickeltes Motiv wird immer wieder neu interpretiert – nicht aus Wiederholung, sondern aus Neugier. Besonders prägend ist das immer wiederkehrende Frauengesicht, das in unterschiedlichsten Stimmungen, Maskierungen und Kontexten erscheint. Dadurch entsteht eine Art visuelles Universum, das sich ständig erweitert, ohne seinen Kern zu verlieren.

Mailand spielte dabei eine entscheidende Rolle. Die Stadt bot den kulturellen Nährboden für die Verbindung von Gestaltung, Architektur und Handwerk. In diesem Umfeld entwickelte sich eine Form von Design, die Kunst nicht ausstellt, sondern integriert – mitten im Alltag. Sei es in Form von Porzellanhandwerk, Möbel oder anderen Interieur-Produkten.
Mich fasziniert die Fähigkeit Fornasettis, trotz plakativer Verspieltheit nie kitschig oder laut zu wirken.
Nun gut, Zurückhaltung war nie das Credo von Piero. Wer sich die Zeit nimmt, sich mit seinen Werken auseinanderzusetzen, findet sich in kürzester Zeit in einer Fantasiewelt wieder.
Ich empfinde es als wunderbar erfrischend, in diese Welt der Schmetterlinge, Schlangen und Natalina-Cavalieri-Portraits einzutauchen.

Bis heute lebt Fornasetti von diesem Spannungsfeld: zwischen Serie und Individualität, zwischen dekorativer Opulenz und gestalterischer Präzision. Auch wenn viele Objekte reproduziert werden, bleibt der Eindruck von Einzigartigkeit erhalten – nicht zuletzt durch handwerkliche Details und die Tiefe der Bildsprache.
Nach dem Tod des Gründers wurde das Unternehmen von seinem Sohn Barnaba Fornasetti weitergeführt und behutsam weiterentwickelt. Neue Kategorien und Anwendungen kamen hinzu, doch die visuelle Identität blieb erhalten. So gelingt es der Marke, sich zu erneuern, ohne ihre Herkunft zu verleugnen.

Vielleicht ist die Marke Fornasetti nicht die Präferenzmarke eines Minimalisten. Da sich die Buntheit, das Augenzwinkern oder die Opulenz jedoch auf die kleine Bühne der einzelnen Produkte beschränkt, sehe ich gerade eine Porzellan-Duftkerzen-Assemblage sehr gut auch in einem zurückhaltenderen Interieur.
Genau dies könnte der Grund für die anhaltende Faszination sein: Fornasetti macht aus Gebrauchsgegenständen kleine Bühnen – und aus Design eine Einladung, genauer hinzusehen – mit einem Augenzwinkern …
Wir führen eine kuratierte Auswahl an Porzellan-Duftkerzen sowie die von Tiziano Terenzi kreierten Eaux de Parfum.




